Mr. Nobody

Der Film kugelt schon länger auf meiner Festplatte herum, und gestern hab‘ ich spontan beschlossen, ihn anzusehen. Ich wurde äußerst positiv überrascht! Der Film war für mich ganz anders als erwartet.

Eins vorweg: Für diesen Film braucht man entsprechend Zeit, denn er hat mit zweieinhalb Stunden deutliche Überlänge. Im letzten Drittel hat er sich für mich dann auch etwas gezogen, bzw. hab ich einfach jederzeit damit gerechnet, dass er aufhört – hat er aber nicht. 🙂 Das heißt aber nicht, dass ich mich gelangweilt hätte. Möglich ist dieser scheinbare Widerspruch deshalb, weil der Film zahlreiche verschiedene parallele Handlungsstränge ineinander verflochten abwechselnd erzählt. Das hört sich vielleicht kompliziert an, ist es in der Praxis aber nicht, da die Geschichten deutlich voneinander unterscheidbar sind und sich auch nicht wechselseitig beeinflussen. Man darf aber dennoch die Frage stellen, ob man den Film nicht (bei derselben Aussagekraft) auch einfach kürzer hätte machen können.

Hauptcharakter des Films ist Nemo, ein Kind/Mann/Greis in nicht nur verschiedenen Altersstufen, sondern auch verschiedenen Varianten ein- und desselben Lebens. Defakto werden Auswirkungen von verschiedenen Lebensentscheidungen mit all ihren Konsequenzen durchexerziert. Ein bißchen erinnert das Konzept daher an den Film „Butterfly Effect“, wo es ja so ist, dass sich die Möglichkeit, bestimmte Entscheidungen des Lebens nochmals anders zu machen, als Fluch entpuppt, da es sich dort so verhält, dass jede Umentscheidung die Sache eigentlich noch ein bißchen schlechter macht.

Ganz so ist es bei Mr. Nobody zwar nicht, aber es lässt sich dennoch sagen, dass wohl  zumindest im Leben von Nemo Drama ganz elementar immer irgendwie dazu gehört. Und dies, obwohl er so unterschiedliche Ansätze wählt – mal entscheidet er sich für die wahre Leidenschaft, dann wiederum geht er auf „Nummer sicher“, ein andermal bietet er einer Frau quasi alles, und es geht erst wieder schief…

Für mich nicht ganz klar heraus kam, warum diese parallelen Handlungsstränge überhaupt möglich sind. Kann der Protagonist bewußt „zurückspringen“ und sich umentscheiden? So sieht es über weite Strecken aus, weil er dann auch so verwirrt wirkt, und schon die Welten durcheinanderbringt. Sind es Träume aus dem Hibernation-Tiefschlaf (in einer der Varianten läßt er sich einfrieren und schießt sich zum Mars)? Sind es real existierende Parallelwelten?

Doch je länger der Film gedauert hat, desto unwichtiger wurde diese Frage für mich. Das ist nicht der Punkt. Wesentlich bleibt ja, dass die Entscheidungen massive Auswirkungen auf dein Leben haben, und demzufolge relevant und wichtig sind. Und dass Liebe alles überdauert. Und spät im Verlauf des Films kam dann auch mal die Erklärung – es gibt eine Szene im Film, wo sich der 9-jährige Nemo wegen der Trennung seiner Eltern zwischen Vater & Mutter entscheiden muß. Diese Szene ist eine Schlüsselszene, denn es ist die unmögliche Entscheidung, die dem Kind hier aufgebürdet wird. Beginnend von dieser Szene spalten sich in weiterer Folge die verschiedenen Handlungsstränge ab.