The Beatles: Get Back

Peter Jackson ist wirklich ein extrem vielseitiger Regisseur – ich fand es ja damals schon so grotesk, dass der kreative Geist hinter dem Splatter-Movie „Der Rasenmäher Mann“ tatsächlich die selbe Person ist, die dann Jahre später mit unglaublichem Aufwand sein Lebenswerk „Herr der Ringe“ in seinen drei Teilen auf die Welt gebracht hat. Dann wiederum war da das unglaublich traurige, gleichzeitig spirituell-kitschige Drama „The Lovely Bones“ – ich hätte dieses niemals Peter Jackson irgendwie zuordnen können.

Bei „Get Back“ handelt es sich nun um eine Doku über die Beatles. Es wird nur ein kurzer Zeitabschnitt von wenigen Wochen behandelt. Die Beatles waren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, bzw haben sie diesen eigentlich schon hinter sich. Nach einer Phase von vielen Tourneen und Konzerten hatten sich die Beatles eher zurückgezogen, innovative Studienalben abgeliefert und sich zeitweise nach Indien in Gefolgschaft von Shamanen begeben.

Nach dieser Phase stellte sich die Frage – was nun? Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits Risse im Gefüge der Band sichtbar. Paul McCartney und John Lennon, das kreative Hirn der Band, konnten nicht mehr so gut miteinander. Auf Tournee wollten sie alle nicht mehr gehen – zu anstrengend. Aber aufgeben und es sein lassen – das wollten sie dann doch nicht tun. Neben Geld & Fame ist es auch ein gewisses Pflichtbewußtsein, das sie dazu bringt, es noch einmal zu versuchen. Sie wollen ein weiteres Album miteinander machen, und nachdem sie mittlerweile eine eigene Vertriebsfirma für sich gegründet haben, hatten sie die Idee, den Schaffungsprozess des Album zu dokumentieren.

Und so geschah es dann auch – Kameras und Aufnahmegeräte waren allgegenwärtig und nehmen jedes Gespräch, jede Aktivität im Umfeld der Band auf. Es ist sehr ungewöhnlich, dass so etwas wirklich durchgezogen wird. Denn die Band öffnet mit diesem Schritt ja ihren Schutzschild nach außen völlig, gibt sich frei, und nimmt sich gewissermaßen den Filter der offiziellen Veröffentlichung. Das erklärt auch, warum ich das Material beim Ansehen oftmals als sehr intim empfunden habe. Viele Jahre später sind eben diese Aufnahmen die Grundlage für die von Peter Jackson neu zusammengestellte Dokumentation. In etwa 8 Stunden auf 3 Episoden verteilt kann man sozusagen hinter den Kulissen miterleben, wie die Beatles im Studio gearbeitet haben.

8 Stunden den Beatles beim Jammen zuzusehen, ist vielleicht für manche langatmig, aber für mich hat das wunderbar funktioniert und ich empfand diese Mini-Serie als äußerst bereichernd. Zum einen wäre da mal der kreative Schaffensprozess zu nennen, der für mich nochmals eine ganz andere Dimension zum Werk der Beatles hinzufügt. Man kennt die Lieder, man hat sie schon oft gehört – aber hier hört man für einige der Stücke eben auch, wie sie entstanden sind. Wie zuerst gejammt wird, wie Ideen entstehen, wie variiert wird, wie zwischen den Bandmitgliedern zusammengearbeitet und kooperiert wird, wie Liedtexte entstehen. Über all das legen sich dann aber eben auch die Persönlichkeiten der Bandmitglieder – welche Rolle nehmen sie jeweils ein, wie tragen sie etwas bei, wie vertragen sie sich, welche Eigenheiten und Spleens haben sie, wie sieht es mit Humor aus.

Erstaunlich fand ich die hohe Leistungsbereitschaft, Professionalität und das Pflichtbewusstsein der Bandmitglieder. Pünktlich in der Früh erscheinen, vorher noch ein wenig Instrumente üben, um dann unter Zeitdruck kreativ zu sein – das scheint mir etwas zu sein, dass man als Superstars wie die Beatles zu diesem Zeitpunkt waren, schon etwas gelassener angehen können sollte. Vor allem die in meinen Augen völlig unrealistische Deadline von wenigen Tagen, in denen sie ein komplettes Studioalbum aus dem Nichts erschaffen wollen – warum so stressig?

Zum Schluss darf man dann das allerletzte Konzert der Band ever miterleben, welches sie auf dem Dach ihres Studios vor einer Anzahl weniger zufällig anwesender Zuseher gegeben haben, und welches dann von der Polizei aufgelöst wird. Ich war kein besonderer Beatles-Kenner oder gar Fan, habe mir aber im Zuge der Doku Respekt und Wissen über diese Band angeeignet. Seitdem habe ich mich ein wenig durch ihr Œvre gearbeitet. Prädikat empfehlenswert.